Krankentagegeld für Selbständige 2026: Der komplette Ratgeber
Als Selbständiger haben Sie bei Krankheit kein Einkommen – es sei denn, Sie haben vorgesorgt. Das Krankentagegeld ist eine der wichtigsten Absicherungen für Selbständige, wird aber häufig unterschätzt oder zu spät abgeschlossen. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über Krankentagegeld wissen müssen: Warum es unverzichtbar ist, wie viel Sie brauchen und welche Optionen Sie haben.
Wichtig: Die unterschätzte Gefahr
Statistisch ist jeder Erwerbstätige im Laufe seines Berufslebens durchschnittlich 2-3 Mal länger als 6 Wochen krank. Für Angestellte zahlt der Arbeitgeber weiter – für Sie als Selbständiger beginnt ohne Absicherung sofort der finanzielle Abstieg. Prüfen Sie jetzt Ihre Absicherung.
GKV-Krankengeld
ab Woche 7
nur mit Wahltarif
PKV-Tagegeld
ab Tag 1
flexibel wählbar
Empfohlene Höhe
70-80%
des Nettoeinkommens
Warum Krankentagegeld für Selbständige unverzichtbar ist
Als Angestellter erhalten Sie im Krankheitsfall 6 Wochen lang Ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber (Entgeltfortzahlung). Danach springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein. Als Selbständiger haben Sie diesen Schutz nicht – oder nur sehr eingeschränkt.
Was passiert bei längerer Krankheit ohne Absicherung?
- Sofortiger Einkommensausfall: Ab dem ersten Krankheitstag haben Sie keine Einnahmen mehr.
- Laufende Kosten: Miete, Versicherungen, Krankenversicherungsbeitrag – alles läuft weiter.
- Geschäftskosten: Mitarbeiter, Büro, laufende Verträge müssen weiter bedient werden.
- Ersparnisse aufbrauchen: Innerhalb weniger Wochen können Rücklagen aufgezehrt sein.
Um sich gegen dieses Risiko abzusichern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche für Sie optimal ist, hängt von Ihrer Versicherungssituation und Ihren Bedürfnissen ab. Ein kostenloser Versicherungsvergleich für Selbständige hilft Ihnen, die beste Lösung zu finden.
Krankentagegeld-Optionen für Selbständige
Option 1: GKV-Wahltarif Krankengeld
Wenn Sie freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, können Sie einen Wahltarif mit Krankengeld abschließen. Dafür zahlen Sie den vollen Beitragssatz von 14,6% statt des ermäßigten Satzes von 14%.
Vorteile GKV-Wahltarif
- • Gesetzlich geregelte Leistung
- • Keine Gesundheitsprüfung
- • Einfache Beantragung bei der Kasse
- • Krankengeld ca. 70% des Einkommens
Nachteile GKV-Wahltarif
- • Erst ab der 7. Krankheitswoche
- • 3 Jahre Bindungsfrist
- • Deckelung auf Beitragsbemessungsgrenze
- • Anrechnung anderer Einkünfte
Option 2: Private Krankentagegeldversicherung
Die flexiblere Alternative ist eine private Krankentagegeldversicherung. Diese können Sie unabhängig von Ihrer Hauptversicherung (GKV oder PKV) abschließen. Sie bietet mehr Gestaltungsmöglichkeiten, erfordert aber eine Gesundheitsprüfung.
Vorteile private Krankentagegeldversicherung
- • Frei wählbare Karenzzeit (ab Tag 1 möglich)
- • Frei wählbare Tagessatzhöhe
- • Keine Anrechnung anderer Einkünfte
- • Oft günstiger als GKV-Wahltarif
- • Keine Mindestbindungsfrist (meist)
Nachteile private Krankentagegeldversicherung
- • Gesundheitsprüfung erforderlich
- • Bei Vorerkrankungen Ausschlüsse/Zuschläge möglich
- • Höhe muss nachgewiesen werden
- • Keine Überversicherung erlaubt
Die richtige Krankentagegeld-Höhe berechnen
Ein häufiger Fehler ist, das Krankentagegeld zu niedrig anzusetzen. Die Folge: Im Ernstfall reicht das Geld nicht, um alle laufenden Kosten zu decken. Berechnen Sie Ihren Bedarf sorgfältig:
Bedarfsberechnung in 4 Schritten
- Fixkosten privat: Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Kredite, Lebenshaltung
- Fixkosten geschäftlich: Büromiete, Mitarbeiter, laufende Verträge, Versicherungen
- Krankenversicherungsbeitrag: Dieser läuft auch im Krankheitsfall weiter
- Summe = benötigtes Krankentagegeld: Runden Sie auf und planen Sie Puffer ein
| Nettoeinkommen | Empfohlenes Tagegeld | Ca. monatlicher Beitrag* |
|---|---|---|
| 2.000€ | 50€/Tag | ca. 60-90€ |
| 3.000€ | 75€/Tag | ca. 90-130€ |
| 4.000€ | 100€/Tag | ca. 120-170€ |
| 5.000€ | 125€/Tag | ca. 150-210€ |
*Bei Karenzzeit 21 Tage, Alter 35-40, guter Gesundheit
Karenzzeit: Der wichtigste Kostenhebel
Die Karenzzeit ist die Wartezeit zwischen Krankheitsbeginn und erster Zahlung. Je länger die Karenzzeit, desto günstiger der Beitrag. Die Wahl der richtigen Karenzzeit hängt von Ihren Rücklagen ab:
7 Tage
Höchster Schutz, höchster Beitrag
14 Tage
Guter Kompromiss
21 Tage
Beliebte Wahl
42 Tage
Günstigster Beitrag
Tipp: Die 3-Monats-Regel
Faustregel für die Karenzzeit: Wie viele Wochen können Sie aus Rücklagen überbrücken? Wählen Sie die Karenzzeit entsprechend. 3 Monate Rücklagen = 42 Tage Karenzzeit ist eine solide Strategie.
Krankentagegeld vs. Berufsunfähigkeitsversicherung
Beide Versicherungen schützen Ihr Einkommen, greifen aber in unterschiedlichen Situationen:
| Kriterium | Krankentagegeld | Berufsunfähigkeitsversicherung |
|---|---|---|
| Leistet bei | Vorübergehender Arbeitsunfähigkeit | Dauerhafter Berufsunfähigkeit (mind. 50%) |
| Typische Dauer | Wochen bis Monate | Jahre bis Renteneintritt |
| Leistungshöhe | 70-100% des Einkommens | 50-80% des Einkommens |
| Empfehlung | Beide! Sie ergänzen sich und sind nicht austauschbar. | |
Fazit: Krankentagegeld ist für Selbständige Pflicht
Eine Krankentagegeldabsicherung gehört für jeden Selbständigen zur Grundausstattung – genauso wie die Krankenversicherung selbst. Ob Sie den GKV-Wahltarif oder eine private Lösung wählen, hängt von Ihrer Situation ab. Wichtig ist, dass Sie überhaupt abgesichert sind und die Höhe Ihrem tatsächlichen Bedarf entspricht.