Mindestbemessungsgrundlage 2026: Warum Sie trotz wenig Gewinn viel in der GKV zahlen müssen
Von Steffan Grund, Finanzredakteur (15 Jahre Erfahrung)
Geprüft von G. Weber (Fachredaktion / Prüfstandard)
Stand: 03.02.2026
Quellen (Auswahl):
Schnell-Überblick (TL;DR)
- In der GKV zählt bei vielen Selbständigen nicht nur der tatsächliche Monatsgewinn – es gibt eine Mindestbemessungsgrundlage (Mindesteinnahme).
- 2026 liegt die Mindesteinnahme für viele hauptberuflich Selbständige bei 1.318,33 € / Monat (auch bei niedrigeren Einnahmen).
- Der Beitrag ergibt sich aus: Mindesteinnahme × Beitragssatz + Zusatzbeitrag + Pflegeversicherung (vereinfacht).
- Ein Kassenwechsel senkt häufig nur den Zusatzbeitrag, nicht die Mindesteinnahme.
- Es gibt legale Hebel, um die Einstufung zu prüfen (Haupt-/Nebenberuf, Nachweise, Krankengeld-Wahltarif, korrekte Einkommensbasis).
- Wichtig: Fristen/Unterlagen der Kasse ernst nehmen – fehlende Nachweise können teuer werden.
- Wenn Sie dauerhaft nahe am Höchstbeitrag sind, sind GKV-Hebel begrenzt → PKV-Optionen können zur Orientierung geprüft werden (unverbindlich).
- Diese Seite ist Orientierung; bei strittigen Bescheiden: Kasse + ggf. Steuerberatung/Sozialrecht.
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PKV-Optionen unverbindlich prüfenWas bedeutet „Mindestbemessungsgrundlage" – in normalem Deutsch?
Für viele freiwillig versicherte Selbständige in der GKV gilt: Die Beiträge werden mindestens auf Basis einer festgelegten Mindesteinnahme berechnet – auch wenn der tatsächliche Gewinn darunter liegt.
Das bedeutet: Selbst wenn Sie nur 800 € im Monat verdienen, zahlen Sie Beiträge, als hätten Sie 1.318,33 € (Stand 2026). Das ist die sogenannte Mindestbemessungsgrundlage.
| Begriff | Bedeutung | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Mindesteinnahme / Mindestbemessungsgrundlage | Basis für die Beitragsberechnung (2026: 1.318,33 €) | Bestimmt den Mindestbeitrag, den Sie zahlen |
| Mindestbeitrag | Ergebnis der Berechnung auf Basis der Mindesteinnahme | Der Betrag, den Sie monatlich mindestens zahlen |
| Zusatzbeitrag | Kassenindividueller Aufschlag (Durchschnitt 2026: 2,9 %) | Variiert zwischen Kassen; einziger Hebel beim Kassenwechsel |
Mini-Rechner 2026: Warum Sie „trotz wenig Gewinn" mindestens X zahlen
Beitrags-Orientierungsrechner 2026
0 € – 5.000 € / Monat
Durchschnitt 2026: 2,9 % (Ihre Kasse kann abweichen)
Ihr Gewinn (1.000 €) liegt unter der Mindesteinnahme. Der Beitrag wird daher auf Basis von 1.318,33 € berechnet.
Für wen gilt die Mindesteinnahme typischerweise?
Die Anwendung der Mindestbemessungsgrundlage hängt von Ihrem Status ab. Grundlage: § 240 SGB V und GKV-Spitzenverband Beitragsverfahrensgrundsätze.
Hauptberuflich Selbständig
Selbständigkeit ist Ihre Haupteinnahmequelle, freiwillig GKV-versichert
Kasse stuft Sie als 'hauptberuflich selbständig' ein
- Mindesteinnahme gilt in der Regel
- Beitragsbescheid auf Bemessungsgrundlage prüfen
- Status bei Kasse bestätigen lassen
Gründer / Geringe Einnahmen
Geschäft im Aufbau, schwankende oder niedrige Einnahmen
Gewinn unter 1.318,33 €, aber Beitrag auf dieser Basis
- Mindesteinnahme greift trotz niedrigem Gewinn
- Einkommensnachweise aktuell halten
- Ggf. Existenzgründer-Regelungen prüfen
Nebenberuflich Selbständig
Hauptberuf ist Anstellung, Selbständigkeit als Nebentätigkeit
Kasse bewertet Selbständigkeit als 'nebenberuflich'
- Andere Beitragsregeln können gelten
- Status bei Kasse klären
- Kriterien: Arbeitszeit, Einkommensverhältnis
Mischfälle
Selbständigkeit + weitere Einnahmen (Rente, Vermietung, Kapital)
Mehrere Einkunftsarten auf dem Steuerbescheid
- Welche Einkünfte sind beitragspflichtig?
- Gesamteinkommen kann Bemessungsgrundlage beeinflussen
- Individuelle Prüfung durch Kasse
10 häufige Gründe, warum Ihr GKV-Beitrag trotz wenig Gewinn hoch wirkt
Mindesteinnahme greift
Sie liegen unter 1.318,33 € – Beitrag wird trotzdem auf dieser Basis berechnet.
Überdurchschnittlicher Zusatzbeitrag
Ihre Kasse erhebt mehr als 2,9 % Zusatzbeitrag.
Pflegeversicherung + Kinderlosenzuschlag
Kinderlose über 23 zahlen 0,6 % mehr Pflegebeitrag.
Krankengeld-Option erhöht Beitrag
Allgemeiner Beitragssatz (14,6 %) statt ermäßigter (14,0 %).
Status: Hauptberuflich eingestuft
Kasse stuft Sie als hauptberuflich ein – Mindesteinnahme gilt.
Fehlende Nachweise
Ohne rechtzeitige Nachweise kann Kasse ungünstig einstufen.
Einmalige Einnahmen
Sonderzahlungen erhöhen die Jahresbetrachtung/Beitragsbasis.
Nebeneinkünfte beitragsrelevant
Weitere Einkünfte werden je nach Regelwerk berücksichtigt.
Netto-Gewinn vs. Beitragsbasis
Häufiges Missverständnis: Beitragsbasis ist nicht gleich Netto-Gewinn.
Fehlende Rücklagen
Mindestbeitrag wirkt überraschend, wenn keine Rücklagen eingeplant sind.
| Grund | Wie wahrscheinlich? | Check in 2 Min | Nächster Schritt |
|---|---|---|---|
| Mindesteinnahme greift | Sehr häufig | Gewinn mit 1.318 € vergleichen | Status prüfen |
| Hoher Zusatzbeitrag | Häufig | Kassenbeitrag checken | Kassenvergleich |
| Kinderlosenzuschlag | Bei Betroffenen | Alter + Kinderstatus | Pflegebeitrag beachten |
| Krankengeld-Option | Bei Wahltarif | Beitragssatz prüfen | Bedarf abwägen |
| Fehlende Nachweise | Vermeidbar | Fristen checken | Sofort nachreichen |
9 legale Hebel, um Ihren GKV-Beitrag fair zu halten (ohne Tricks)
Zusatzbeitrag prüfen
✓ Bis zu 1 % Ersparnis möglich
⚠ Kassenwechsel nötig
📄 Kassenvergleich online
Status prüfen
✓ Andere Einstufung möglich
⚠ Kriterien streng definiert
📄 Arbeitszeit-Nachweis
Nachweise aktuell halten
✓ Korrekte Beitragsbasis
⚠ Zeitaufwand
📄 Steuerbescheid, EÜR
Krankengeld-Bedarf prüfen
✓ 0,6 % Ersparnis ohne KG
⚠ Kein Krankengeld-Anspruch
📄 Wahltarif-Vertrag
Satzungsleistungen nutzen
✓ Mehrwert statt nur Preis
⚠ Je nach Kasse unterschiedlich
📄 Satzung der Kasse
Zahlungsplan anfragen
✓ Liquidität schonen
⚠ Nur bei Engpass sinnvoll
📄 Antrag bei Kasse
Rücklagenroutine
✓ Keine Überraschungen
⚠ Disziplin erforderlich
📄 Monatliche Übersicht
Quartals-Updates
✓ Aktuellere Einstufung
⚠ Mehraufwand
📄 BWA, aktuelle Zahlen
PKV-Orientierungscheck
✓ Alternative prüfen
⚠ Nur bei passendem Profil
📄 Unverbindlicher Vergleich
Schritt für Schritt: So prüfen Sie in 15 Minuten, ob Ihre Einstufung korrekt ist
Kassenbescheid bereitlegen
Kassenbescheid/Beitragsbescheid bereitlegen und Beitragsgrundlage identifizieren.
Status prüfen
Prüfen: Sind Sie freiwillig versichert? Hauptberuflich oder nebenberuflich selbständig?
Einnahmen vergleichen
Mindesteinnahme (1.318,33 €) vs. Ihre tatsächlichen monatlichen Einnahmen notieren.
Zusatzbeitrag checken
Zusatzbeitrag Ihrer Kasse recherchieren und mit Durchschnitt (2,9 %) vergleichen.
Krankengeld prüfen
Krankengeldoption/Wahltarif prüfen: Haben Sie Anspruch? Erhöht es den Beitrag?
Nachweise sammeln
Welche Einkommensnachweise fordert die Kasse? Liste erstellen und Fristen notieren.
Unterlagen nachreichen
Fehlende Unterlagen nachreichen und alle Fristen schriftlich dokumentieren.
Entscheidung treffen
Ergebnis: Bleibt Mindestbeitrag? Entscheidung: Kasse wechseln / Beitragssystem optimieren / PKV-Check.
Dokumente-Checkliste
- Letzter Einkommensteuerbescheid
- EÜR oder BWA (aktuell)
- Beitragsbescheid der Kasse
- Kassenanschreiben mit Fristen
- Nachweise zu weiteren Einkünften
- Wahltarif-Unterlagen (falls vorhanden)
Wenn „wenig Gewinn" nicht das ganze Bild ist (und Sie trotzdem viel zahlen)
Viele Selbständige mit niedrigen Einnahmen sind an die Mindestbemessungsgrundlage gebunden. Wenn jedoch Ihre Einnahmen später stabil steigen, kann die GKV teuer werden – besonders nahe am Höchstbeitrag.
Für bestimmte Profile kann ein unverbindlicher PKV-Check Orientierung geben, ob eine Alternative in Frage käme. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Möglichkeit zur eigenen Einschätzung.
PKV-Optionen unverbindlich prüfenKostenlos · Unverbindlich · Abschluss nicht erforderlich
Häufige Fragen zur Mindestbemessungsgrundlage 2026
Weiterführende Informationen
Grundlagen & Entscheidungshilfe
Aktuelle Sätze & Vergleich
Maximum in der GKV
Obergrenze erklärt
9-12 legale Hebel
10 Auslöser & Prävention
Alternative prüfen
Alle Themen im Überblick
Nächster Schritt: Beitrag einordnen – dann entscheiden
Prüfen Sie unverbindlich, ob PKV-Optionen für Ihr Profil in Frage kommen.
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